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Gedruckt vs. Digital: Ein unüberwindbarer Gegensatz?

von Dr. Karl-Ludwig von Wendt

Verfolgt man die aktuelle Diskussion zum digitalen Wandel in der Buchbranche, dann scheinen zwei Welten aufeinander zu treffen: Die "alte" Welt des gedruckten Buchs und die "neue" Welt des digitalen Lesens werden oft als zwei kaum vereinbare Gegenpole dargestellt. Dabei ist längst bewiesen, dass die meisten Leser beides wollen: Die Optik und Haptik des gedruckten Buchs und den Komfort und die Mobilität des E-Books. Wir wollen mit Papego diesen Gegensatz überwinden und damit Leser, Buchhandel und Verlage unterstützen. Darüber werde ich am Donnerstag auf der Future!Publish-Konferenz in Berlin sprechen.

 

Aktuell ist in der Buchbranche so etwas wie ein "Aufatmen" zu spüren. Nachrichten, denen zufolge der E-Book-Marktanteil in den USA schrumpft, die Verkaufszahlen der E-Reader zurückgehen und sich auch in Deutschland das E-Book-Wachstum spürbar verlangsamt, scheinen anzudeuten, dass der digitale Wandel doch nicht so "schlimm" wird wie anfangs befürchtet.

 

Diese Sichtweise ist allerdings kurzsichtig. Denn die meisten offiziellen Zahlen beinhalten nur die E-Book-Verkäufe der Verlage. Wenn diese stagnieren oder schrumpfen, bedeutet das noch lange nicht, dass die Digitalisierung jetzt ihren Zenit erreicht hat - im Gegenteil! Der digitale Markt wächst gerade in den Segmenten rasant, die am traditionellen Verlagsgeschäft vorbeilaufen, sei es Selfpublishing, Flatrates oder kostenloses Lesen in Blogs oder auf Websites wie Wattpad. Mit anderen Worten: Die traditionellen Verlage verlieren beim digitalen Lesen rapide an Marktanteil! Zum Zurücklehnen besteht also kein Anlass, zumal die nächste Stufe der digitalen Revolution - Flatrates - noch gar nicht richtig gezündet hat und niemand wissen kann, welche Innovationen in Zukunft auf uns warten.

 

Eines scheint mir allerdings klar: Mit dem physischen Produkt "gedrucktes Buch" hat die Branche gegenüber beispielsweise der Musik- oder Spieleindustrie einen echten Vorteil. Denn wie sich in anderen Entertainment-Branchen deutlich zeigt, sind Verbraucher viel eher bereit, angemessenes Geld für Inhalte auszugeben, wenn diese auch ansprechend physisch "verpackt" sind.

 

Umso wichtiger ist es daher, das gedruckte Buch nicht als Gegenpol zum Digitalen zu verstehen, sondern als Anker und Wertträger. Das heißt allerdings nicht, dass digitales Lesen lediglich als "Abfallprodukt" oder "zusätzlicher Verwertungskanal" gesehen werden darf. Die digitale Welt ermöglicht es, das gedruckte Buch mit vielfältigem Zusatznutzen anzureichern. Das reicht von Mobilität und Lesekomfort, beispielsweise durch einstellbare Schriftgrößen, über die Einbindung in soziale Netze, Kommentare und Suchfunktion bis zu Augmented Reality.

 

Meine These ist: Nur Verlage, die es verstehen, die Möglichkeiten digitalen Lesens für die Leser sinnvoll mit dem Kernprodukt gedrucktes Buch zu verknüpfen, haben auf Dauer eine Zukunft. Papego kann hierbei ein Baustein sein.

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