So

22

Jan

2012

Kampf den Piraten!?!

Auf der Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Publikumsverlage waren optimistische und auch kämpferische Töne zu hören: "Die Enteignung der Verwerter und Urheber durch organisierte Kriminelle und ahnungslose User" müsse verhindert werden. Zu Wort kam u.a. die Autorin Lucia Etxebarria, die aufgrund der massenhaften illegalen Downloads ihres neuen Buches, bevor es überhaupt als Druckwerk verfügbar war, sogar das Schreiben an den Nagel hängen will.

Solche Töne sind Wasser auf die Mühlen derer, die glauben, bestehende Strukturen bewahren zu können, indem sie die Übeltäter, die Piraten eben, mit allen Mitteln bekämpfen - eine im Börsenverein des Deutschen Buchhandels weit verbreitete Sichtweise.

Um es gleich klarzustellen: briends wendet sich entschieden gegen Urheberrechtsverletzungen. Wir sind ebenfalls dafür, dass illegale Downloads effektiv bekämpft werden, und freuen uns, wenn Übeltäter wie jüngst Kim Schmitz gefasst und der Justiz übergeben werden. Wir sind auch nicht der Meinung, dass das bestehende Urheberrecht wegen angeblicher Undurchsetzbarkeit aufgeweicht werden sollte, wie es z.T. die Piratenpartei und die Grünen fordern (das wäre letztlich eine Kapitulation des Rechts vor dem Rechtsbruch).

Aber: Aus unserer Sicht sind die Piraten nicht das Kernproblem des E-Book-Wandels, und ihre Bekämpfung mit juristischen Mitteln nicht die Lösung. Wir warnen eindringlich davor, die Fehler der Musikindustrie zu wiederholen, die sich viel zu lange auf die Abwehrschlacht gegen das "Böse" konzentriert und dabei vergessen hat, sich um die berechtigten Interessen ehrlicher Kunden zu kümmern. Das Ergebnis war, dass erst branchenfremde Unternehmen wie Apple zeigen mussten, wie man mit Musik trotz intensiver Piraterie und ganz ohne Kopierschutz immer noch Geld verdienen kann.

Illegale Downloads bekämpft man aus unserer Sicht am wirkungsvollsten, wenn man die Downloader davon überzeugt, lieber legale Mittel zu nutzen. Da helfen Apelle nur wenig. Was stattdessen gebraucht wird, sind komfortable Lösungen, die den User nicht durch umständliche DRM-Systeme behindern, den raschen und flächendeckenden legalen Zugang zu möglichst vielen Buchtiteln und - das Tabuthema schlechthin - angemessene Preise.

Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass es im Internet keine harte Trennung zwischen "Gut" und "Böse" gibt. Fast jeder Internetnutzer (inklusive der meisten Verlagsmitarbeiter) hat vermutlich irgendwann schon einmal das Urheberrecht verletzt, indem er z.B. privat geliehene CDs kopiert oder Fotos aus dem Internet in Powerpointpräsentationen verwendet hat, ohne den Urheber um Erlaubnis zu fragen. Dieselben Leute laden ihre Musik nicht auf russischen Servern herunter, sondern kaufen sie bei iTunes. Häufig genug ist die praktische Unmöglichkeit oder Umständlichkeit, etwas legal zu nutzen, der Grund für das Abdriften in die Illegalität.

Das soll keine Entschuldigung sein - Unrecht bleibt Unrecht. Aber es weist den wirkungsvolleren Weg zur Bekämpfung des Piraterieproblems. Und der lautet schlicht: Konzentration auf die Bedürfnisse der zahlungswilligen Kunden.

Anders ausgedrückt: SOPA ist der falsche Denkansatz. Den richtigen zeigen zum Beispiel Apple und Amazon. Sehr schön hat es auch die die für Netzpolitik zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes auf Twitter ausgedrückt: "Auch Geschwindigkeitsüberschreitung ist illegal: Aber man installiert keine Holperschwellen auf der Autobahn."

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